Endspurt heißt Siege erzwingen!

Vor ziemlich genau einem Jahr stand unser 1. FC Kaiserslautern auf einem Abstiegsplatz in der 3. Liga und das rettende Ufer war in weite Ferne gerückt.
Jedem von uns kommen sofort Bilder und Emotionen in den Sinn, wenn wir uns an diese nervenaufreibende und belastende Zeit zurückerinnern.
Zuschauer waren im Stadion keine erlaubt und die gesamte FCK-Familie versuchte mit vielfältigen Aktionen wie zum Beispiel am Mannschaftshotel, beim Training, auf den Anreisewegen zum Betze oder eben am Stadion selbst alles, um unsere Mannschaft zu pushen und zusammen mit ihr diesen Kraftakt namens Klassenerhalt zu stemmen.

„Endspurt heißt Siege erzwingen!“

Dieser markante Spruch prägte die letzten Spiele der vergangenen Saison und wir haben ihn als FCK-Familie Seite an Seite mit der Mannschaft, dem Trainterteam und allen Vereinsverantwortlichen in die Tat umgesetzt.

Nun 12 Monate später laufen viele für uns relevante Pandemie-Beschränkungen aus und damit kehren wir als Fanbündnis wieder zurück auf unsere Plätze in der Westkurve, um den Support in der bekannten Form zu organisieren.
Nachdem der Betze wieder voll ausgelastet werden kann, personalisierte Tickets wegfallen, den Gästefans 10% der Tickets zustehen, keine Maskenpflicht gilt und vor allem jeder FCK-Fan wieder ins Stadion darf, sind wir heiß darauf, unsere Mannschaft und unseren Verein gemeinsam nach vorne zu peitschen.

Vorausgesetzt die aktuellen Bestimmungen bleiben so, können wir daher Folgendes mit Sicherheit sagen:
Wir werden da sein! Auswärts zu Tausenden und daheim mit einer bis auf den letzten Platz gefüllten Westkurve. Wir werden die unterschiedlichsten Aktionen durchziehen und dabei alle FCK-Fans miteinbeziehen. Wir werden jedes Spiel zu einem Highlight machen, denn wir haben unfassbar Bock wieder mit euch allen zusammen in der Kurve zu stehen.
Und wenn es nötig sein wird, werden wir auch in diesem Endspurt die Siege gemeinsam erzwingen.

Ganz Fußballdeutschland hat uns vor einem Jahr abgeschrieben, viele haben uns schon in der Versenkung verschwinden sehen und keiner hat uns nur ansatzweise etwas Gutes gewünscht.
Aber wir werden sie alle eines Besseren belehren. Zeigen wir, zu was wir im Stande sind. Zeigen wir, dass man uns niemals abschreiben sollte und zeigen wir, dass die Westkurve Kaiserslautern zusammenhält!

Fußball für alle!

Die Nachrichten in Sachen Corona haben sich in den letzten Wochen wieder einmal überschlagen. Ab dem 20. März sollen alle „tiefgreifenden“ Corona-Maßnahmen fallen – wie immer gibt es also ein Hintertürchen und das ist nach dem bisherigen Pandemieverlauf auch durchaus verständlich.

Wir wissen heute noch nicht, wie die Lage in den nächsten Wochen und Monaten sein wird. Wir verstehen die Ankündigungen aus der Politik allerdings so, dass die meisten Einschränkungen bald fallen. Das heißt für uns: Wir gehen davon aus, dass auch beim Stadionbesuch wieder Normalität einkehrt. Die Einschränkungen der vergangenen Monate dürfen die Pandemie nicht überdauern. Die letzten zwei Jahre Fußball waren alles, nur nicht unsere Normalität und dürfen auch niemals dazu werden!

An dieser Stelle nehmen wir deshalb die Verbände und Funktionäre in die Pflicht. In den letzten zwei Jahren haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber stetig beteuert, wie wichtig Fans für den Fußball sind. Jetzt ist die Zeit gekommen, sich ebenfalls für einen Fußball ohne Einschränkungen auf allen Ebenen einzusetzen. Dies bedeutet:

– Volle Auslastung der Stadien inklusive der Stehplätze
– Keine Zutrittsbeschränkungen
– Keine Maskenpflicht unter freiem Himmel
– Keine personalisierten oder digitalen Tickets
– 10 % Gästekontingent
– Keine Kompensation der Verluste der Pandemiezeit durch Preiserhöhungen für das Stadionpublikum

Das wäre ein nachhaltiger Schritt für alle Stadionbesucher!

Während sich der Stadionbesuch wieder normalisiert, ist das System des Profifußballs weiterhin kaputt. Deshalb erinnern wir noch einmal an unsere Forderungen für einen nachhaltigeren Fußball, die sich seit Beginn der Pandemie nicht verändert haben. Wir fordern:

– Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder!
– Verpflichtende Bildung von Rücklagen, um künftige Krisen besser überstehen zu können!
– Erhalt der 50+1-Regel und ein Ende von Finanzdoping!
– Gehalts- und Transferobergrenzen!
– Beschränkung der Einflüsse der Spielerberater!
– Obergrenzen für Spielerkader!

Groß waren vor zwei Jahren die Lippenbekenntnisse. Groß war die vermeintliche Demut in der finanziellen Not. Verändert hat sich bislang nichts.

Der Fußball braucht Veränderungen. Der Stadionbesuch muss fanfreundlich sein.

Jetzt seid ihr dran: Lasst den Worten Taten folgen.

Fußball für alle!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2022

Polizeistaat

Ein Auszug aus dem Unter die Haut Ausgabe #190

Polemik gegen Polizeistaat

Ursprünglich wollte ich eine Art Überblick geben, was in den letzten zehn bis zwölf Jahren so alles an autoritärem Mist beschlossen wurde, um schließlich auf die jüngsten Bausteine im „Projekt Polizeistaat“ zu kommen. Letztendlich habe ich die Idee dann aber so verworfen. Sehr theoretische Texte gibt es zu diesen Themen zuhauf und habe auch ich schon geschrieben. Die Auseinandersetzung mit Innen- und „Sicherheits“politik ist wichtig, weswegen ich euch ermutigen möchte, auf die Suche nach den im Folgenden angeschnittenen Themen zu gehen und euch genauer zu informieren. Denn auch das Fußballfansein ist politisch und die Politik nimmt Einfluss auf unseren Spieltag und auch wir können diese Politik beeinflussen. Dieser Text wird dagegen etwas persönlicher, Hater würden sagen unsachlicher.
„I can’t believe I still have to protest this shit“

In Vorbereitung auf diesen Text zum UdH-Revival habe ich mal tief in meinem Bücherregal gekramt und alte Hefte durchgeschaut. Ich wollte nachschauen, was ich schon so an Artikeln produziert habe. Am Ende stieß ich ganz unten tatsächlich noch auf einen Schülerzeitungsartikel mit dem Thema Überwachung durch den Staat aus dem Jahr 2008. Meine Gedanken schwankten zwischen „Ich kann nicht glauben, dass ich gegen diesen Mist immer noch protestieren muss“ und Fassungslosigkeit, wie Zustände, die schon in den 2000ern scheiße waren, immer mieser wurden. Ja klar verfolge ich diese Entwicklung kontinuierlich und eigentlich las ich nichts Neues, aber das alles so geballt zu lesen, hat mir nochmal bewusst gemacht, wie sehr sich die Lage stetig verschlimmert. Meine Laune sank bei der Lektüre stetig. Und mit Blick auf die aktuelleren Entwicklungen wurde sie nicht besser. Die Polizeiaufgabengesetze, die in den letzten Jahren beschlossen wurden, sind alle scheiße. Das kommende PAG in Bayern ist es ganz besonders. Gerade in Bayern hat die Polizei definitiv noch mehr Befugnisse gebraucht und dem so besonnen USK haben sicherlich noch Taser für seine Gewaltausbrüche gefehlt. Das neue Versammlungsgesetz in NRW schränkt die Demonstrationsfreiheit dermaßen ein, dass man es gar nicht glauben mag, was sich die Regierenden da trauen (und einer von denen will Kanzler werden…). Gegen dieses Gesetz formte sich ein breites Bündnis, an dem sich u.a. auch Fans und Ultras von Fortuna Düsseldorf und dem FC & BVB beteiligten und an großen Demonstrationen teilnahmen. Ich konnte mit einigen Teilnehmenden sprechen. Die Polizeiaufgebote auch bei kleinen Demos waren surreal. Eine Hundertschaft Cops sorgte für auch mal für Schikane bei einer 1-zu-1-Betreuung. Bei der Großdemonstration in Düsseldorf kam es dann zu massiver Polizeigewalt, über 100 Verletzten, rassistischen Beleidigungen und Einkesselung über viele Stunden bei 30 Grad. Hätten die Bullen in ihrem Rausch nicht auch Politikerinnen und Journalisten erwischt, würde sich die Politik in NRW mit diesem Skandal sicherlich weniger beschäftigen. Bei den Bildern der bunten Demonstration und den Demoblöcken der Fußballfans musste ich an die große Fandemo in Berlin 2010 denken. Damals demonstrierten 5000 Fans und Ultras aus dem ganzen Land und Gruppen von dutzenden Szenen von großen Bundesligisten, abgestürzten Vereinen und kleinen Clubs. Das Motto war „Zum Erhalt der Fankultur“ und was dafür so wichtig ist, zeigten zahlreiche Banner. Häufig drehten diese sich um Repressionen, Überwachung, 26 Polizeigewalt und Forderungen, wie die einer Kennzeichnungspflicht. Die Anliegen, die damals auf den Flyern und Bannern formuliert waren, reihen sich in die oben beschriebene Gefühlslage gut ein. Teilweise macht es fassungslos, dass Dinge, die eigentlich total selbstverständlich sein sollten, immer noch nicht Gesetz sind. Insbesondere die fehlende flächendeckende und konsequente Kennzeichnungspflicht für Cops ist für mich ein Aufreger Thema. Sogar der Europäische Gerichtshof und Amnesty International rügen die BRD diesbezüglich. Letztere haben wir vor rund zehn Jahren bei ihrer bundesweiten Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei“ in unserem Fritz-Walter-Stadion unterstützt. Es gibt einfach kein sachliches Argument gegen eine Kennzeichnung im Einsatz! Bürger werden immer strenger im Namen der angeblichen Sicherheit überwacht, während die Cops sich gleichzeitig selbst jeglicher Kontrolle, die wichtig für einen Rechtsstaat ist, möglichst entziehen möchte. Auch in den folgenden Jahren wurde das Lautrer Mottobanner der Demo „Uneingeschränkte Bürgerrechte auch für Fußballfans!“ immer mal wieder hervorgeholt, um gegen Repressionen zu protestieren. Unfassbar, wie Fußballfans von Polizei und Staat in ihren Rechten fortwährend stark eingeschränkt werden.


Wut
Es ist beängstigend, dass die Befugnisse und Überwachungsmöglichkeiten derselben Polizei, die damals schon Fußballfans schikanierte, angriff und ihre Bürgerrechte systematisch verletzte, heute noch viel umfassender sind. Ja sogar ursprünglich illegale Praktiken der Datensammlung im Nachhinein legalisiert wurden. Dazu zählen z.B. ungerechtfertigte Bodycam- oder Übersichtsaufnahmen oder die Datei „Gewalttäter-Sport“. Verbotene Datenweitergabe und -abfrage ist sowieso Standard bei den Helene Fischer-Fans in Uniform. Nicht zu vergessen sind hierbei die neuen technischen Möglichkeiten der Polizei. Neben immer stärkerer und zunehmend unkontrollierter Onlineüberwachung sind auch Drohnen zu nennen. Sie ermöglichen nun eine Kameraüberwachung wirklich immer und überall. Nicht unvorstellbar, dass in zehn Jahren diese Drohnen auch mit Reizgas Waffen ausgestattet werden. Überhaupt ist nicht nur die Entwicklung zum heutigen Status Quo, sondern vor allem der Blick in die Zukunft besorgniserregend. Wer weiß, wie die Lage in zehn, zwanzig Jahren ist? Wer weiß, ob Gesetzesverschärfungen heute, den Weg für die autoritäre Herrschaft von morgen ebnen? Löse ich mich von dieser Fassungslosigkeit und Angst vor der Zukunft, bleibt vor allem Wut. Wut auf die Politikerinnen, die aus Geschichtsvergessenheit, Ahnungslosigkeit und Machtgier diese Politik vorantreiben. Wut auf so viele Bürger in diesem Land, die eben diese Politiker immer wieder wählen und jeden Dünnschiss
aus der Presse fressen. Wut auf große Teile der Presselandschaft, die vollkommen unkritisch die Polizeiberichte als absolute Wahrheit annehmen. Wut auf alle in Uniform, die diese Entwicklungen mittragen. Die schweigen, wenn ihre Kollegen dem kontrollierten Fan Widerstand anhängen wollen, wohlwissend, dass dieser nichts getan hat. Die wegsehen, wenn Unrecht und Gewalt geschehen und Menschen leiden. Die mitmachen, wenn sozialpädagogische Fanprojekte gestürmt werden. Niemand muss Bulle sein! Und Wut auf die ganzen Schweine, die sich für Götter halten und nichts lieber tun, als ihre Macht mit dem Knüppel gegen alle auszuüben, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen. Keinen Frieden mit euch! No justice, nopeace!

Widerstand
Der Text hat einige starke Wörter. Zum Beispiel Widerstand. Damit meine ich keine Gewalt (Grüße an die „SK“Bs), sondern die Dinge, die teilweise schon beschrieben wurden und ich nochmal erläutere. Nicht, dass es da Missverständnisse gibt und wir noch als kriminelle Vereinigung eingestuft werden, wie es einer Gruppe von Chemie Leipzig passiert ist – kein Witz, sollte nachlesen, wer sich damit noch nicht befasst hat. Theoretisch wäre es möglich, dass die Polizei schon beim Tippen dieser Zeilen mitliest. Aber sei‘s drum, immerhin tue ich nichts Illegales und wir leben ja in einem Rechtsstaat. Bürgerrechtsaktivisten bescheinigen Teilen dieses Rechtsstaats zwar eine „Polizei mit Machtbefugnissen, wie sie seit 1945 nicht mehr“ gab, „mit mehr Möglichkeiten“. Aber noch fühl ich mich bei solch einem rebellischem Akt sicher. Und ich will, dass das so bleibt! Ich will, dass ihr euch informiert. Dass ihr euch bildet und Banden bildet, und eure Eltern, Freundinnen und Kollegen bildet. Betreibt Aufklärung. Widersprecht den Stammtischparolen eures konservativen Onkels, wenn er Knast für ein bisschen Rauch oder flächendeckende Kameraüberwachung in der Stadt wegen etwas Farbe an Wänden fordert. Erklärt eurer Klassenkameradin, warum es nicht cool ist, zur Polizei zu gehen. Weißt eure Stadionkumpel darauf hin, dass es nicht geht, einfach jeden Insta-Account anzunehmen und Bilder aus der Kurve zu posten (Stichwort „Identifizierungspflicht in sozialen Netzwerken“ und Onlineüberwachung). Vertraut nicht blind dem lieben Motorradpolizist oder dem unscheinbar und neutral gekleidetem Kerl am Bierstand. Selbst für den Einsatz von Spitzeln braucht es teilweise nicht mal mehr richterliche Beschlüsse! Betrachtet politische Entwicklungen kritisch. Schaut euch an, was da eigentlich an Gesetzen beschlossen wird. Es geht uns was an und betrifft uns – auch als Fußballfans aka Staatsfeind Nummer 1 (vielleicht auch 2 oder 3, je nachdem, wen man fragt). Wir brauchen und wollen keinen Überwachungsstaat, in dem Polizisten freidrehen und Menschen ungestraft der Freiheit berauben, verletzen, misshandeln oder gar töten können. In dem Demonstrations-, Meinungs- und Reisefreiheit in großem Stil angegriffen werden. Ja das klingt zunächst sehr polemisch, aber all das passierte auch schon Fußballfans und darüber hinaus noch viel mehr Menschen in diesem Land! Und Widerstand heißt nicht nur, gegen weitere autoritäre Gesetze zu protestieren, sondern auch bereits genommene Rechte zurückzufordern, auch die Polizei zu kontrollieren und deren Repressionswerkzeuge abzuschaffen! Und last but not least: Kennt eure Rechte! Mischt euch bei Polizeieinsätzen ein, seid Zeugen, informiert euch, wie ihr wann handeln solltet. Organisiert euch in solidarischen Rechtshilfegemeinschaften und kämpft zusammen gegen Repressionen. Auch rechtliches Vorgehen kann zu Erfolgen führen, wie zum Beispiel das jüngste Urteil des Kölner Landgerichtes zeigt, welches anlassloses Filmen von Fanblöcken als unzulässig ansieht. Vor längerer Zeit gab es im UdH eine Rubrik mit dem passenden Namen „What to fight for“. Lasst uns weiter für unsere Ideale und Freiheit kämpfen! Ein Spieltag ohne sich wie ein Schwerverbrecher zu fühlen und so behandelt zu werden ist möglich. Seid aufmerksam und solidarisch und wehrt euch.
Stay rebel!

UDH-190

Ruhe in Frieden, Horst Eckel!

Mit einem kleinen Trauermarsch und anschließender Kranzniederlegung am Betze nahmen wir Abschied von einem der größten Lautrer Fußballer aller Zeiten. 

Auch wenn die heutige Fußballwelt nicht mehr mit der Zeit unserer 54 Weltmeister und Deutscher Meister vergleichbar ist, sind es auch diese Worte, die dich niemals vergessen lassen.

Mach‘s gut Windhund! 

„In Kaiserslautern verdiente ich damals 320 Mark. Ich weiß das versteht heute niemand, dass ich nicht gewechselt habe. Aber ich hätte sogar Geld gezahlt um in Kaiserslautern spielen zu dürfen. Ich bin mit 17 zu Kaiserslautern gekommen, wurde Stammspieler, zum ersten Mal Deutscher Meister mit 19 und mit 22 Weltmeister. Was will man mehr?“

Ruhe in Frieden, Horst Eckel!