Geld regiert den Fußball – Football Leaks enthüllt

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In den letzten Tagen beherrscht Football Leaks die Sportmedien. Doch worum geht es überhaupt? Wer steckt hinter Football Leaks und was ist deren Ziel? Football Leaks (FL) ist eine im September 2015 von bisher unbekannten portugiesischen Whistleblowern gegründete Enthüllungsplattform. Grund für die Gründung waren damals fragwürdige und undurchsichtige Spielerwechsel im portugiesischen Fußball im Sommer 2015. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, den Fans zu zeigen, was aus dem Profifußball wurde und wie korrupt und dreckig das Fußballbusiness heute ist. Nachdem die ersten Veröffentlichungen von Spielerverträgen etc. zensiert wurden, wurde eine eigene Website erstellt, auf der fast täglich Gehälter, Transfersummen und Verträge publiziert wurden. Im April kündigten die Whistleblower das „größten Datenleck der Sportgeschichte“ an und die täglichen Veröffentlichungen wurden vorerst eingestellt. Die Daten wurden angesammelt und um eine größere Öffentlichkeitswirkung zu generieren wurden Kooperationen mit etablierten europäischen Medien gestartet. Mittlerweile sind 60 Journalisten aus Europa an FL beteiligt, welche im Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC) vereint sind und den Datensatz mit einer Größe von 1,9 Terabyte auswerten, es ist der Größte, den es bisher im Sport gab. Die deutschen Medien sind durch „Der Spiegel“ vertreten, dieser veröffentlichte am 3.Dezember dieses Jahres seine wichtigsten Ergebnisse der Auswertungen der Dokumente.

Das „größte Datenleck der Sportgeschichte“ beinhaltet einige wichtige Erkenntnisse, doch gerade die Fälle Mesut Özil, Cristiano Ronaldo und Jose Mourinho scheinen besonders brisant. Mesut Özil musste knapp zwei Millionen Euro Steuern nachzahlen, zudem musste er eine Strafe von knapp 800 Tausend Euro begleichen. Grund dafür waren Vereinbarungen seiner Berater mit seinen aktuellen Klubs. Die Berater wurden nicht wie es vorgeschrieben ist von Özil bezahlt, sondern eben von Real Madrid und dem FC Arsenal. Der Fall Ronaldo ist etwas komplizierter, der dreimalige Weltfußballer hat jahrelang Briefkastenfirmen in der Karibik benutzt, um seine Werbeeinnahmen am spanischen Fiskus vorbei zu schleusen. Zwischen 2009 und 2014 verdiente CR7 mit Werbung außerhalb Spaniens mehr als 75 Millionen Euro, die er offenbar kaum versteuerte. Durch Sonderregelungen hatte er zwar Privilegien, allerdings schoss er wohl über das Ziel hinaus. Diese Privilegien liefen vor zwei Jahren aus, schnell nutzte er sie noch um die Werbeeinnahmen für die nächsten Jahre bis 2020 über diesen Weg abzurechnen. Somit konnte er weitere 50-60 Millionen Euro unversteuert lassen. Ronaldos Geldlager trug den Namen Tollin Associates, doch das war nur eine von vielen Briefkastenfirmen. Auch Fabio Coentrao, Ricardo Carvalho, Pepe und James Rodriguez hatten solche Firmen auf den British Virgin Islands, sie alle sind aktuelle oder ehemalige Spieler von Real Madrid und alle waren Kunden von Jorge Mendes. Mendes ist ein portugiesischer Spielervermittler und hat als Kunden nur hochkarätige Namen des Fußballbusiness, so auch der aktuelle Coach von Manchester United, Jose Mourinho. Auch dessen Fall ist schon sehr detailliert aufgedeckt, er war einer der ersten Schützlinge von Mendes und auch er hatte eine solche Briefkastenfirma in der Karibik. Das Ausmaß dieser Steuerhinterziehungen, die dabei angewandten Tricks und die Vernetzung der Fußballer in dieser Sache ist unvorstellbar.

Auch sehr interessant ist der Fall Laudrup. Der ehemalige Fußballstar und dann eher durchschnittliche Trainer Michael Laudrup hatte einen mysteriösen Deal mit seinem langen Freund und Berater Bayram Tutumlu. Als Laudrup seinen Job als Coach von Swansea City begann, verpflichtete er sofort den Spanier Chico Flores von Genua, offenbar allerdings nicht wegen seinen fußballerischen Qualitäten. Die von Swansea beauftragte Firma Soccerting SL führte die Verhandlungen rund um diesen Transfer, durch einen geheimen Vertrag verdiente Laudrups Freund Tutumlu ordentlich mit. Seine Firma IBTD International bekam bei Abschluss des Transfers mit einer Ablösesumme von 500.000 Euro offenbar 162.500 Euro als Prämie. Diese Geschäfte wurden über Jahre fortgeführt und so wurden bei Swansea einige Spieler vorgestellt, die nur wegen einem Netz von Bekannten die an den jeweiligen Verpflichtungen gut verdienten eingestellt wurden. Auch die Anwaltskanzlei Senn Ferrero war in diese Geschäfte verwickelt und verdiente mit. Diese Kanzlei berät auch Cristiano Ronaldo zum Thema Steuern.

Das waren nur ein paar wenige Beispiele, weitere Enthüllungen sind zu erwarten und auch die Bundesliga könnte ins Auge von FL fallen. Bisher geht es aber hauptsächlich um den portugiesischen und den spanischen Fußball, denn dort wird immer wieder durch kreative Ideen versucht, Geld am Fiskus vorbei zu schaffen. Der erste große Erfolg für Football Leaks war bisher die Sperre für Twente Enschede für internationale Wettbewerbe. Enthüllungen aus dem Jahr 2015 zeigten, dass Twente versuchte das Verbot für das sogenannte Third-Party-Ownership (TPO) zu umgehen, das heißt, dass es Einigungen mit Spielerberatern gab, bei den die Berater einen Anteil am Weiterverkauf der Spieler bekamen. Diese TPO ist weit verbreitet, durch Football Leaks kann nun dagegen vorgegangen und die Verstöße bestraft werden.

Dieser Blick auf kann natürlich nur einen Auszug der Geschichte um Football Leaks vorstellen, wer sich in diesem Thema weiter informieren möchte, sollte bei Spiegel Online bzw. der gedruckten Ausgabe 49/2016 vorbeischauen. Dort findet ihr alle bisher ausgewerteten Enthüllungen, auch alle Fälle nochmal ganz ausführlich und sortiert. Das EIC wird die Daten weiter auswerten, es werden also noch viele Geheimnisse aufgedeckt werden. Der anonyme Ansprechpartner für die Medien von Football Leaks namens John fand die passenden Worte zu den Enthüllungen: „Das System Fußball frisst sich von innen auf.“

 

 

Weiterführende Links:

European Investigative Collaborations

Video: Football-Leaks: Dokumente der Gier (Teil 1)

Video: Football-Leaks: Dokumente der Gier (Teil 2)

Politischer Protest auf der Bühne des Sports

fft107_mf6987465Nicht nur in Deutschland hat Rassismus aktuell Hochkonjunktur, sondern auch in den USA und in der Türkei werden Minderheiten verfolgt. In den USA wurde der Rassismus vorallem durch den Wahlkampf des jetzigen US-Präsidenten Donald Trump wieder salonfähig und richtet sich vor allem gegen Schwarze, Muslime und Hispanics, in der Türkei festigt Präsident Erdogan sein autoritäres Regime durch massenweise Verhaftungen gegen die politische Opposition – allen voran die Kurden.

Es entsteht jedoch auch Widerstand gegen Rassismus und Unterdrückung – und das im Sport. Die Sportschau hat dazu zwei interessante Beiträge gezeigt, die aufzeigen, wie wichtig und wirkungsvoll es sein kann, den Sport als politische Bühne zu nutzen.

Politischer Protest auf der Bühne des Sports | Sportschau

Deniz Naki – zwischen Volksheld und Volksverräter | Sportschau

Zum dem Thema ist auch vor einiger Zeit ein Interview mit einem Regisseur und Journalisten aus der Türkei in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ erschienen, das sich mit „Erdogans Kampf gegen den kurdischen Fußball“ auseinandersetzt und hier nachzulesen ist:

http://footballuprising.blogsport.eu/2016/10/30/erdogans-kampf-gegen-den-kurdischen-fussball/

 

Sehenswert: „We love Lebowski“. Doku über einen italienischen Amateurverein und seine Fanszene

cover2Wir berichteten bereits vor einiger Zeit auf unserem Blog über Fußballvereine aus den italienischen Amateurligen  (Hier zum nachlesen), die sich als Teil der „Calcio popolare“- („Volksfußball“) – Bewegung für mehr Mitbestimmung im Fußball einsetzen.

Nun ist eine Dokumenation über den kleinen Fußballclub aus Florenz, CS Lebowski, erschienen. Zu den interessanten Eindrücken aus der Fankurve rund um die Gruppe „Ultimi Rimasti Lebowski“, kommen neben Vertretern des Vereins, welcher komplett selbstverwaltet ist, auch Fans sowie eine Person der befreundeten „Coloniacs“ aus Köln zu Wort. Neben der Geschichte des Vereins und den Beweggründen zur Gründung desselben,vermittelt der Film auf emotionale Weise, wie Fußball jenseits von kapitalistischer Vermarktung und sportlicher und gesellschaftlicher Entfremdung sein könnte.

 

Hier geht’s zur Doku auf Youtube!

 

 

 

Sehenswert: Themenabend „Geld und Spiele“ auf ARTE

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Wir möchten euch an dieser Stelle auf einen interessanten Themenabend, der gestern auf ARTE gezeigt wurde, aufmerksam machen. Sehr interessant und aktuell ist vor allem die Reportage über das Schicksal der Arbeitsmigranten in Katar, die es hier zu sehen gibt: Klick!

Am 5. August fällt der Startschuss für die Olympischen Sommerspiele in Brasilien. Die ganze Welt verfällt in einen leidenschaftlichen Zustand der Euphorie. Alle Probleme und Skandale, die mit Olympia 2016 einhergingen scheinen vergessen. THEMA widmet sich deshalb in mehreren Dokumentarfilmen der Kehrseite von sportlichen Großereignissen.

Die ersten beiden Filme „Die Spur der weißen Elefanten“ und „Arbeit um jeden Preis“ beschäftigen sich mit Problemen hinsichtlich riesiger Sportevents, die nur wenig Beachtung finden. Beispielsweise die unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der Fußballstadien in Katar oder der Verfall der kolossalen Olympia-Anlagen, nach Ende der Spiele. Der Film „Putins Spiele“ entlarvt ein System aus verdeckten Provisionen, Korruption und Macht bei der Vergabe sportlicher Großereignisse und „Rio – Kampf um Frieden“ zeigt die Konsequenzen der Großereignisse für die armen Bevölkerungsschichten am Beispiel der Favelas in Brasilien auf.

In unserem Dossier finden Sie unter anderem eine Fotostrecke, die die Schicksalen der nepalesischen Gastarbeiter dokumentieren sowie Bonusvideos, die von den Arbeitsbedingungen vor Ort berichten.

Hier geht’s zur Themenseite auf ARTE: Klick!

Lesenswert: Zwischen Eigentor und Aufstand: Ultras in den gegenwärtigen Revolten

Hiermit möchten wir euch auf einen interessanten Text von Ralf Heck, Mitbegründer des Blogs „footballuprising“,aufmerksam machen, der bereits vor einigen Wochen erstveröffentlicht im „Kosmoprolet Nr. 4Foto“ erschien und nun auch auf dem oben genannten Blog veröffentlicht wurde.

Inhaltlich handelt der Beitrag über das Spannungsverhältnis der Ultras zwischen Progression und Regression. Ausgehend von einer beschreibenden Analyse der Entstehung der Ultràbewegung in Italien, sowie über den proletarischen Fußball in England, wirft der Autor einen kritischen Blick auf die Beteiligung von Ultras in vergangenen Revolten. Gerade die Beteiligung von Ultras an den Gezipark-Protesten in Istanbul oder am Sturz der Regierung in Agypten, offenbaren, dass Ultras vor allem auch gesellschaftliche Subjekte bzw. Akteure sind. Dieses Bewusstsein haben jedoch längst nicht alle Ultras. Was – wie der Text auch suggeriert – nicht zuletzt an dem jeweiligen subjektiven Interesse der jeweiligen Ultagruppen liegt, denen zwar fast allen ein objektives Interesse an gesellschaftlichen Kämpfen und Veränderungen zu attestieren wäre, aber dieses im Rahmen einer kurzlebigen jugendkulturellen Phase auf der Strecke bleibt. Nicht zuletzt ist dieses fehlende Bewusstsein über die eigene gesellschaftliche Position und politische Dimension eigenen Handelns auch am kulturindustriellen Charakter des Fußballs festzumachen, der nach Adorno, ein „notwendig falsches Bewusstsein“ vermittelt bzw. ideologisiert. Brot und Spiele hat halt einfach auch immer schon funktioniert und ist daher nicht zuletzt ein begehrtes Mittel der herrschenden Klasse, das Proletariat ruhig zu stellen und im Glauben zu lassen, das Leben bestünde aus (Lohn-)Arbeit und zu konsumierenden (Kultur-) Gütern.

Aber nicht nur die kulturindustrielle Ausrichtung des Fußballs verengt den Blick auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge und die politisch-kritische Auseinandersetzung damit, sondern vor allem auch der habituelle Charakter von Ultrà in der heutigen Zeit, der einem Klassenbewusstsein dadurch zumindest teilweise gegenübersteht. Ob man Ultrà nun als eigenes Milieu oder als Subkultur ansieht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Letztlich bilden beide Ansätze das gleiche Problem aus: Kultur – also auch Ultràkultur – steht im Kapitalismus immer unter der Gefahr durch Formen der Entfremdung bzw. durch kapitalistische Mechanismen vereinnahmt zu werden. Die Entwicklung verschiedener aus einer gesellschaftskritischen Perspektive heraus entstandenen Subkulturen wie Hip-Hop, Punk oder Hardcore offenbaren diese Problematik und sollten uns Ultras aufhorchen lassen, das subversive und gesellschaftskritische Moment von Ultrà nicht der kompletten Partizipation am kapitalistischen Fußball zu opfern.

Für die Zukunft heißt das konkret: den Widerspruch zwischen Ultrà und kapitalistischem Fußball zu erkennen, sich selbst in seiner Rolle in diesem Widerspruch zu reflektieren und kritisch und fragend voranzuschreiten!

Hier könnt ihr den Beitrag lesen.

Und hier findet ihr weitere Rezensionen und ein Interview mit dem Autor Ralf Heck:

120 Minuten – Blog

Zeckenbiss – online

Der tödliche Pass

Fanzeit

 

Lesenswert: Ultras im Fußball – „Dann hätten die Nazis gewonnen“

Unbenannt-1Auch während der Sommerpause möchten wir euch hier auf dem Blog über aktuelle Themen, Lesens- bzw. Sehenswertes informieren. Den Anfang macht der ZEIT ONLINE Artikel „Ultras im Fußball – ‚Dann hätten die Nazis gewonnen'“ in dem es um die Verdrängung von alternativen Ultras aus den Stadien durch Nazis geht.

Hier geht’s zum Artikel: Ultras im Fußball – „Dann hätten die Nazis gewonnen“

Bleibt informiert!

 

 

Neue Spezialeinheit der Bundespolizei: BFE +

bfe-beweissicherungs-und-festnahmeeinheit-plus.jpegDie Pläne lagen schon länger in der Schublade von CDU Innenminister Thomas de Maizière. Nach den Anschlägen von IS-Anhängern in Paris werden sie nun in die Tat umgesetzt. Terrorismusbekämpfung ist laut Innenminister dabei die Hauptaufgabe der neuen Spezialeinheit BFE + (Beweis- und Festnahmeeinheit plus), die der Bundespolizei unterstellt ist.

Als Unterstützung der Eliteeinheit GSG 9, von der sie auch für ihre besonderen Einsätze trainiert wird, soll sie vor allem für zeitlich länger andauernde Fahndungsaktionen sowie Festnahmen bzw. Zugriffe eingesetzt werden. Im Gegensatz zur GSG 9 wird sie jedoch nicht dauernd trainieren und auf den nächsten Einsatz warten. Die bis jetzt 50 neu ausgebildeten Beamten (vorher BFE Beamte) sind in ihrem Alltag im Einsatz für die Bundespolizei  und werden erst im jeweiligen Fall zu BFE+ Beamten. Interessant gerade auch für uns Fußballfans ist jedoch, dass die BFE+ nicht nur bei Terroranschlägen zum Einsatz kommt, sondern auch gegen „schwere Gewalttäter“ soll die BFE+ Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei der Bundespolizei unterstützen. So zumindest lautet das Ziel des Innenministeriums. (Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bfe-neue-anti-terror-truppe-soll-die-gsg-9-unterstuetzen-a-1068077.html)

Es wird offensichtlich, dass diese neue Einheit keineswegs nur dafür gedacht ist, Terroristen zu bekämpfen, sondern vielmehr auch bei Fußballspielen und Demonstrationen gemeinsam mit Bereitschaftspolizei und BFE zum Einsatz kommen wird – ganz nach dem Motto: Wenns schon da is, kann mas auch benutzen…

Dass dadurch vor allem die Militarisierung der Gesellschaft vorangetrieben wird, in dem eine mit Sturmgewehren ausgerüstete Einheit im Innern – und nicht nur im Spezialfall – einsetzbar ist, ist in Zeiten der erhöhten Terrorgefahr für viele wohl ein hinnehmbares Übel. Für Law and Order Vertreter aus Politik und Polizei könnte es keinen besseren Zeitpunkt geben, diese Militarisierung weiter voranzutreiben. Allein die Ausrüstung der BFE + erinnert stark an eine militärische Einheit und unterscheidet sich kaum von der des GSG 9:

Neben der üblichen Dienstpistole (HK P30) tragen die Beamten der BFE+ ballistische Westen (sogenannte kugelsichere Westen) und führen eine Kurzversion des auch bei der Bundeswehr eingesetzten Sturmgewehres HK G36,  mit. Außerdem wird die Einheit mit gepanzerten Fahrzeugen ausgestattet sein.

Wann die erste BFE+ Einheit bei einem Fußballspiel oder bei einer Demonstration zum Einsatz kommt, ist wohl nur eine Frage der Zeit – jedoch muss das nicht unbedingt eilig geschehen…

Hier noch zwei interessante Videos zur BFE+:

BFE+ im Trainingseinsatz

Vorstellung der BFE+ durch die Bundespolizei

 

 

 

 

Rot-Weiße Hilfe: Doppelt hält besser? Die „geheime“ Datei der szenekundigen Beamten (SKB) und die Datei Gewaltäter Sport

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An dieser Stelle möchten wir euch auf einen höchst informativen Beitrag der Rot-Weißen Hilfe hinweisen.

Nachdem bekannt wurde, dass es auch in Rheinland-Pfalz Dateien der szenekundigen Beamten über Fußballfans gibt, hat die RWH mit Hilfe einiger Mitglieder recherchiert, dass es eine solche Datei auch speziell in Kaiserslautern gibt. Im Beitrag kritisiert die Rot-Weiße Hilfe die Rechtmäßigkeit dieser Datei und empfiehlt jeder/m ein Auskunftsersuchen über eigene gespeicherte Daten in der sogenannten SKB-Datei an die Polizeidirektion Kaiserslautern zu stellen.

Hier der Beitrag der Rot-Weißen Hilfe (den kompletten Beitrag mit weiteren Links sowie den Auskunftsformulare zum Downloaden findet ihr hier: www.rot-weisse-hilfe.de)

Die „geheime“ Datei der szenekundigen Beamten (SKB) und die Datei Gewaltäter Sport

Der WDR hat am 14.12.2015 in der Sendung „sport inside“ die auch in Kaiserslautern unter dem Namen „Arbeitsdatei szenekundige Beamte“ geführte Datensammlung über Fußballfans kritisch hinterfragt. So fehlt für die nach mehreren Anfragen aus der Fanszene auch in RLP ans Tageslicht gekommene Datei laut Datenschützer Werner Hülsmann im Prinzip jegliche Rechtsgrundlage. Die Polizei verteidigt diese allerdings damit, dass sie nicht über jede Methode ihrer Ermittlungen berichten muss und kann.

Grotesk ist, dass in NRW 4700 Leute in der Datei „Gewaltäter Sport“ gespeichert sind, in der Datei der SKBs allerdings 6500 Menschen. Dies deutet darauf hin, dass die SKBs auch Daten über viele Leute sammeln, die noch nicht straffällig in Erscheinung getreten sind. Weiter kritisiert der WDR die Datei „Gewaltäter Sport“, da ein Anfangsverdacht ausreicht um dort registriert zu werden. Der Grund zur Aufnahme in beide Dateien ist somit recht schwammig und nicht fest geregelt. Auf gut Deutsch gesagt: Es kann jeden treffen – dies wird auch im Bericht am Beispiel einer Anhängerin von Hannover 96 dargestellt!

In der SKB Datei werden anders als in der „GS Datei“ viel mehr private Dinge gespeichert. So haben Anfragen von RWH Mitgliedern ergeben, dass dort neben Dingen wie Name, Anschrift und Wohnort auch euer Fanclub, die Kategorisierung in A, B oder C oder ganz persönliche Dinge wie eure Handynummer, ein Lichtbild, das Nummernschild und Modell eures Fahrzeuges oder euer Arbeitgeber usw. gespeichert sein können. Außerdem geben die Zivis in der Datei eine Gefahrenprognose ab, welche wohl die Grundlage für Betretungsverbote zu diversen Spielen darstellen kann. Um gegen euch ein Betretungsverbot für ganze Stadtgebiete auszusprechen, braucht die Polizei nicht mal die Grundlage eines vorliegenden Stadionverbotes gegen euch zu haben. Die Gefahrenprognose kann hier wie bereits geschrieben aus Sicht der Polizei schon als Grund ausreichen – nicht minder schwammig wie die Dateien an sich.

Über die Erfassung in beiden Dateien werden wir Fans nicht informiert, wir haben allerdings das Recht abzufragen, welche Daten über uns dort gespeichert sind.

Hierzu müsst ihr einfach die unten bereitgestellte Formulare ausfüllen und mit einer Ausweiskopie an die jeweilige Adresse senden. Die uns bekannten Anfragen auch aus anderen Fanszenen haben in der SKB Datei durchaus schon den ein oder anderen Fehler ausgemacht, welchem ein Antrag zur Löschung gefolgt ist. Auch daher raten wir jedem, der schon mal seine Personalien beim Fußball abgeben musste alleine aus Eigeninteresse eine Anfrage zu stellen. Es sollte euch interessieren ob Daten und wenn ja welche Daten von euch gesammelt werden!

Sehenswert: Flucht, Fußball und ein Stückchen Glück – Ein Fußballteam aus Flüchtlingen

UnbenanntImmernoch hält uns das Thema  „Flüchtlinge“ in Atem. Und das wird aufgrund aktueller politischer Entscheidungen und der politischen Lage der Welt auch noch länger anhalten. Flucht wird es ohnehin immer geben – solange es Ungerechtigkeiten und Kriege geben wird. Doch wie wir damit umgehen, ist eine Frage, bei der sich aktuell die Gesellschaft in zwei Lager zu spalten scheint. Auf der einen Seite gibt es unzählige Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen helfen (wollen). Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die ihre Fremdenfeindlichkeit immer offener und gewalttätiger zur Schau stellen. Angeheizt durch die völkisch-nationale, außerparlamentarische x-GIDA Bewegung, die Partei „Alternative für Deutschland“ und einigen weiteren Ewiggestrigen, brennen in Deutschland mal wieder die Asylbewerberheime. Allein dieses Jahr ist die Anzahl der Gewaltdelikte gegen Asylbewerber bzw. Migranten und gegen sogenannte „Aufnahmeeinrichtungen“ um das Doppelte zum Vorjahr gestiegen.

Das Bedrohliche ist, dass auch Strafverfolgungsbehörden, wie die Polizei Sympathien gegenüber den Fremdenfeinden haben. Gerade aus Sachsen gibt es immer wieder Erstaunliches zu hören. So konnten z.B. geheime Daten aus Ermittlungen gegen den Pegida-Dresden Chef Lutz Bachmann, an selbigen gelangen (Quelle, Quelle). Auch kommt es bei den Demonstrationen laut Augenzeugen immer wieder zu Umarmungen bzw. freundlichen Handshakes zwischen Polizisten und Demonstranten bzw. auch Ordnern. Bei einer Spendenaktion sollen Beamte der Bereitschaftspolizei sogar selbst für Pegida gespendet haben. Hier fragt man sich natürlich, wie es mit der polizeilichen Neutralität steht. Auf der anderen Seite ist es nicht verwunderlich, dass es auch innerhalb der Polizei fremdenfeindliche Einstellungen gibt – klar, sie ist ja auch ein Querschnitt der Gesellschaft mit genau den gleichen verschiedenen politischen Einstellungen. Ok, langsam schweife ich vom eigentlichen Thema ab…

Zurück zum Fußball. Wie wir auch hier auf unsrem Blog bereits dargestellt haben, ist der Fußball eine Möglichkeit Menschen unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Religion oder auch ihres sozialen Status zusammenzubringen. Neben dem bekannten „Flüchtlingsteam“ aus Babelsberg, dem FC Welcome 03, gibt es auch viele andere Teams (F.C. Welcome Neustadt) die ein gemeinsames Fußballspielen ohne Ausgrenzung ermöglichen. Auch das Team „Mandela“ aus Lehrte bei Hannover ist nicht irgendeine Fußballmannschaft. Es ist die erste in ganz Norddeutschland, die komplett aus Flüchtlingen besteht und am offiziellen Spielbetrieb in der 4. Kreisklasse teilnimmt.  Aber auch darüber hinaus, bietet das gesamte Umfeld, aber auch die Selbstorganisation der Spieler, eine gelungene Abwechslung zum tristen Alltag in Aufnahmeeinrichtungen sowie die gemeinsame Hilfe im Alltag. Denn das Leben der Flüchtlinge ist aufgrund der Schikanen der Behörden und der Asylgesetzgebung nicht einfach. Es ist geprägt von Unsicherheit und Ungewissheit über die Anerkennung des Asyls oder die Abschiebung in ihr Heimatland, in dem sie verfolgt wurden und werden.

Die Doku ermöglicht es, sich ein differenzierteres und emotionaleres Bild – anders als in Polit-Talkshows – über die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Deutschland zu machen.

Hier geht’s zur Dokumentation in der ARD-Mediathek

 

 

Stellungnahme zum Choreoverbot in Sandhausen

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An die Verantwortlichen des SV Sandhausen,

wir richten uns mit diesem Schreiben an Sie als Verantwortliche und Entscheidungsträger des SV Sandhausen. Am kommenden Freitag, den 16.10.2015, gastiert unser 1.FC Kaiserslautern e.V. in Sandhausen. Dabei handelt es sich um das Duell zweier aktueller Tabellennachbarn. Es verspricht also, ein spannendes Spiel zu werden. Zu diesem Spiel hatten wir eine Choreo geplant und entworfen. Diese wurde von den Verantwortlichen des SV Sandhausen abgelehnt. Die Begründung dafür ist mittlerweile so gängig und verkürzt zugleich. Denn auch in diesem Fall wird mal wieder mit der Möglichkeit des Abrennens von Pyrotechnik (schein-)argumentiert. Selbst eine Veränderung der Choreo unsererseits, die sich sogar an das Pyro-Argument anlehnte, wurde erneut abgelehnt. Auf Nachfrage einer unserer Fanbeauftragten, bekamen wir die knappe Antwort, eine Choreo würde nicht erlaubt, „Egal in welcher Form“. Auch hier ist die Begründung an Willkür nicht zu übertreffen.

Wir bedauern diese Entscheidung zutiefst. Nicht nur, dass hier ein kreatives Ausdrucksmittel von uns als Fans und UItras verboten wurde, viel mehr offenbart sich hiermit erneut eine Haltung, nach der viele Vereine weder fähig und gewillt sind, Kompromisse einzugehen, noch in der Lage zu sein scheinen, angemessen argumentativ und auf Augenhöhe einen Diskurs zu führen. Durch das Totschlagargument der Pyrotechnik, wird eine Angst geschürt und ein Bedrohungsszenario heraufbeschworen, das in den heutigen Zeiten leider immer wieder dazu benutzt wird, um die Kreativität und den Ausdruck bunter Kurven nachhaltig zu zerstören. Wir möchten uns an dieser Stelle eigentlich gar nicht darauf einlassen Pyrotechnik zu thematisieren und als Ausgangspunkt Ihrer Argumentation zuzulassen. Doch eine kleine Bemerkung hierzu erlauben wir uns dennoch, da das Pyro-Agrument in der Praxis nicht standhält. Die Vielzahl der Choreos, die jedes Wochenende in den Stadien hierzulande, aber auch darüber hinaus, gezeigt werden, lassen sich in einer weit geringeren Zahl in einen Zusammenhang mit dem Abbrennen von Pyrotechnik bringen – im Gegenteil zu dem von Ihnen suggerierten Verhältnis, das sie in Ihrer Argumentation durchscheinen lassen.

Diese Law-and-Order-Logik entpuppt sich einmal mehr, als das was sie ist: nämlich völlig kontraproduktiv. Auf der einen Seite wird zum Dialog aufgerufen und von den Fans wird eine kompromisslose Transparenz und Dialogbereitschaft gefordert, auf der anderen Seite handelt man jedoch in der Regel nach Gutdünken und Willkür – also wie es einem gerade passt. Dies wird auch in unserem Fall einmal mehr deutlich und reiht sich ein in die gängige Praxis von Materialverboten und absurden Auflagen.

Uns ist durchaus bewusst, dass die Bestrafungspolitik des DFB und der DFL zumindest Ausgangspunkt der aktuellen Tendenzen ist. Dennoch fordern wir die Vereine dazu auf, umzudenken und auf Fans zuzugehen, statt zu bestrafen und zu verbieten.

Für eine bunte und kreative Kurve!

Frenetic Youth Ultras